MIGRÄNEMITTEL
Migränetherapeutika
Vorweg sei ausgeführt, daß es kein Migränemittel (Migränetherapeutika) gibt, das ausschließlich bei Migräne zur Anwendung kommt. Selbst die Triptane (siehe unten), ursprünglich von der Pharmaindustrie gegen die Migräne entwickelt, wirken auch beim Bing-Horton-Syndrom und manchmal sogar bei einem Spannungskopfschmerz. Das klassische Migränemittel Ergotamin ist ebenfalls bei Cluster-Kopfschmerz hilfreich.
Migränemittel
(Migränetherapeutika) zur Anfallsbehandlung:
Ganz wichtig ist der Hinweis,
daß Analgetika
Ein potentes Migränemittel ist der Serotoninagonist (= Mittel, das dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt) Sumatriptan (Imigran®). Initiale Dosierung : 100mg zum Einnehmen oder 6mg unter die Haut gespitzt. Bei Wiederauftreten von Kopfschmerzen maximal zwei Verabreichungen in 24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in den Medien. Bei Beachtung der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von Wirksamkeit und Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen 1993). Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (gilt auch für andere Triptane) zur Migränetherapie allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere Migränemittel nicht den gewünschten Erfolg bringen. Zwischenzeitlich gibt es weitere Triptane: Zolmitriptan (AscoTop 2,5®,) Naratriptan (Naramig®), Rizatriptan (Maxalt®), Almotriptan (Almogran®) und seit 2002 Eletriptan (Relpax®).
Ergotaminpräparate sind klassische
Migränemittel
(Migränetherapeutika), wegen der möglichen
Nebenwirkungen jedoch nicht ganz unproblematisch. Die Gefahr einer Gewöhnung
und Auslösung eines zusätzlichen Dauerkopfschmerzes steigt mit zunehmender
Einnahmehäufigkeit. Aus diesem Grunde sollten pro Woche nicht mehr als 6mg
Ergotamintartrat und pro Migräne-Attacke nicht mehr als 4mg eingenommen werden
(Göbel, Ensink et. Soyka 1994).
Grundsätzlich gilt auch hier,
daß Migränemittel in Form von von Mischpräparaten (z.B.
Ergotamintartrat mit Koffein oder Propyphenazon, Codein, Paracetamol usw.)
strikt vermieden werden sollen.
Auf dieser Therapiestufe kann auch
Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. (= in den Muskel)
oder ganz langsam i.v. (= in eine Blutader) versucht werden
(1-1,5mg).
Besonders bei ausgeprägten vegetativen Begleiterscheinungen hat sich zur Migränetherapie
die zusätzliche Gabe von 1-2 mg
Flunitrazepam
(Rohypnol®) (= ein Schlafmittel) sehr bewährt, auch unter dem Aspekt, Schmerzmittel einzusparen, zumal die
Patienten in dieser Situation ohnehin das Bedürfnis haben, sich hinzulegen.
Werden die Migräne-Kopfschmerzen von Nausea
(=
Übelkeit, Brechreiz) und Erbrechen begleitet
(evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten dieser Symptome), ist die
Verabreichung von Metoclopramid (Paspertin®) sehr wirksam, zum Einnehmen
oder als Zäpfchen bis zu 20mg, i.m. oder i.v. 10mg. Metoclopramid sollte nicht
an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist vorteilhaft, diese Substanz
vor einem Analgetikum (= Schmerzmittel)
einzunehmen, weil Metoclopramid die Darmtätigkeit steigert und somit die
Resorption (= Aufnahme im Darm)
weiterer verabreichter Substanzen fördert. Alternativ kann auch der
Dopamin-Antagonist Domperidon (Motilium®) verwendet werden, Tabletten oder
Tropfen bis zu 30mg.
Unter stationären Bedingungen, denkbar auch in einem
separaten Raum innerhalb einer Praxis, hat sich als Migränetherapie die Verabreichung
einer Infusion (500ml Kochsalzlösung) mit 1g ASS (Aspisol®) kombiniert mit
10mg Metoclopramid (z.B. Paspertin®) und 1-2mg Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®)
sehr bewährt, bei heftigen Schmerzen zusätzlich 50-100mg Tramadol (z.B. Tramal®).
Arten die Kopfschmerzen in einen Status migraenosus
(= länger als 72h anhaltender Migräneanfall)
aus, so ist dies eine Indikation (= Anzeige) zur stationären Aufnahme.
Bewährt hat sich zur Mig ränetherapie in dieser Situation die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg Flunitrazepam (z.B.
Rohypnol®), initial zusammen mit 40mg Prothipendyl (z.B. Dominal forte®),
sowie eine Tropfinfusion mit 100 mg Tramadol, 1g Aspisol® und 10-20mg
Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen sollte mit der Gabe von
Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert werden.
Die hier genannten Medikamente sind zwar keine Migränemittel im eigentlichen
Sinne, in der beschriebenen Situation aber äußert hilfreich.
Medikamente zur Prophylaxe (= Vorbeugung) einer
Migräne sind ebenfalls keine typischen Migränemittel
(Migränetherapeutika), müssen der
Vollständigkeit halber aber aufgeführt werden.
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